Steiles Wachstum oder sprudelnde Dividenden?

Wachstum oder Dividenden? Für viele Anleger eine Glaubensfrage. Aber warum schütten manche Aktien überhaupt ihren Gewinn aus und andere nicht? In diesem Beitrag wirft der Alligator mal einen Blick auf die beiden großen Gattungen und verrät Dir, welcher Aktientyp am besten zu Dir passt.

Hinweis: Für Eilige und Lesefaule sind unter der Rubrik "Der schnelle Happen" die Kernaussagen zusammengefasst.

1. Der Dividendentitel – ein zählbarer Erfolg

1.1 Was ist ein Dividentitel?

Ab wann darf sich eine Aktie eigentlich Dividendentitel schimpfen? Eine klare Definition gibt’s da nicht. Die wesentliche Kennzahl ist aber jedenfalls die Dividendenrendite.

Die Dividendenrendite gibt an, wie viel Prozent des (aktuellen) Kurswerts jährlich als Gewinn an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Kostet eine Aktie also im Moment 100 Euro und der Aktionär erhält im Jahr 7 Euro ausgeschüttet, so hat die Aktie eine Dividendenrendite von 7 Prozent.

7 Prozent klingen vielleicht erstmal nicht nach besonders viel. Verglichen Mit 0 Prozent aufs Sparbuch oder Tagesgeld ist das allerdings ein Haufen Holz. Zumal Du ja durch Kursgewinne zusätzliche Rendite erzielen kannst.

Die 7 Prozent sind also eher das obere Ende der Fahnenstange, wie Du sie fast nur bei Aktien aus den Bereichen Tabak, Glücksspiel oder Immobilien finden wirst. Von einer ordentlichen Dividendenrendite kannst Du im Normalfall schon ab etwa 3 Prozent reden.

Eine starre Grenze, was so als Dividentitel gilt, gibt es übrigens nicht. Aber alles, was unter 1 Prozent liegt, ist mehr eine Alibi-Dividende, damit das Unternehmen behaupten kann, es schüttet überhaupt was aus. Wirklich von einer Dividendenaktie sprechen kannst Du eigentlich erst ab 2 Prozent aufwärts.

1.2 Warum schütten Unternehmen überhaupt Dividenden aus?

Wenn ein Unternehmen am Ende des Geschäftsjahres Gewinn gemacht hat, stehen – grob gesagt – zwei Möglichkeiten im Raum. Entweder das Geld wird wieder in das Unternehmen investiert, um schneller groß zu werden. Diese Option schauen wir uns gleich noch an.

Oder das Geld verlässt das Unternehmen wieder in Form von Dividenden. Und wer soll dieses erwirtschaftete Geld bekommen? Na logo, Du als Aktionär! Wer eine Aktie kauft, wird schließlich zu einem kleinen Teil Eigentümer des jeweiligen Unternehmens. Und dem Eigentümer steht nunmal der Gewinn zu. Ganz einfach.

Und warum schütten jetzt nur manche Unternehmen aus?

Im Einzelfall mag es immer verschiedene Gründe geben, warum sich ein Unternehmen entscheidet, Dividende zu zahlen. Mal verspricht man sich davon, für Aktionäre attraktiver zu werden. Mal will man wirtschaftliche Stärke demonstrieren. Aber der mit Abstand wichtigste und überzeugendste ist der Folgende:

Fehlende Wachstumsphantasie.

Mit der Zeit können Unternehmen so groß werden, dass sie sich schwertun, neue Geschäftsfelder zu erschließen und kräftige Wachstumszahlen vorzulegen. Wenn die Perspektive für ein starkes Wachstum fehlt, ist die sinnvollste Gewinnverwendung die, das Geld den Eigentümern, also den Aktionären zu geben.

1.3 Die Vor- und Nachteile

  • Dividenaktien sind eine tolle Möglichkeit, um sich ein passives Einkommen aufzubauen! Wenn Du Dich für eine Dividendenstrategie entscheidest und mit Deinem Depot eine – hohe, aber nicht unrealistische – Dividendenrendite von 4 Prozent einfährst, macht das schon bei 10.000 angelegten Euros ein Zusatzeinkommen von 400 Euro im Jahr. Ohne dafür zu arbeiten. Wenn Du die wiederanlegst, kommst Du zusätzlich im Laufe der Jahre voll in den Genuss des mächtigen Zinseszinses!
    • Aber Vorsicht: Dividenden sind nicht in Stein gemeißelt. Hat das Unternehmen eine Krise, können sie (vorübergehend) gekürzt oder gar komplett gestrichen werden. Auf der anderen Seite sind viele Unternehmen bemüht, die Dividende Jahr um Jahr zu steigern. So wird Deine persönliche Dividendenrendite im Laufe der Jahre immer höher!
  • Auch aus psychologischer Sicht sind Dividendentitel etwas tolles. Gerade als Einsteiger! Es motiviert unheimlich, wenn Du die ersten Dividenden auf Deinem Konto eingehen siehst! Am Anfang ist es vielleicht noch eher ein Tröpfeln, aber mit der Zeit kannst Du durch konsequentes Anlegen einen richtigen Einkommensstrom daraus machen! Sparpläne können Dir dabei helfen, beim Investieren am Ball zu bleiben.
  • Die Kehrseite dieser schnell sichtbaren Erfolge liegt allerdings darin, dass Du Deine Erträge aus Dividenden direkt versteuern musst. Rund 25 Prozent Kapitalertragsteuer fallen an. Die gute Nachricht: Du kannst bei Deinem Broker einfach einen Freistellungsauftrag einreichen, dann werden für die ersten 801 Euro (bei Ehegatten 1602 Euro) keine Steuern fällig. Und damit Du da drüber kommst, müssten selbst bei den hohen 4 Prozent Dividendenrendite aus unserem Beispiel schon mal über 20.000 Euro in Deinem Depot angelegt sein.
  • Wunderbar geeignet ist ein Dividendendepot auch, wenn Du mal in Rente gehst. Oder meinetwegen auch mit 40 einfach keinen Bock mehr auf Arbeiten hast. Wenn Du über die Jahre fleißig angelegt hast, kannst Du irgendwann vielleicht komplett von Deinen Dividenden leben. Falls nicht, ist es auf jeden Fall ein schönes Zubrot. In den USA, wo es eine viel stärkere Aktienkultur gibt als bei uns, ist das vollkommen normal. Das staatliche Rentensystem ist eher dürftig aufgestellt, weswegen die Leute einfach mit (Dividenden-)Aktien vorsorgen.

Alles klar soweit? Jetzt solltest Du einen ersten Überblick darüber haben, was einen Dividendentitel ausmacht. Dann mal ran an’s Wachstum!

2. Wachstum, Wachstum, Wachstum – Dein Vermögensturbo?

Wachstumsaktien schwanken stärker als Dividendentitel.
Mit Wachstumsaktien kann es steil nach oben gehengut möglich allerdings, dass der Weg dahin zur Achterbahnfahrt wird.

Vielleicht fragst Du Dich jetzt, warum Du überhaupt etwas anderes in Betracht ziehen solltest, wenn Dividendenaktien so viele Vorteile mit sich bringen.

Nunja.

Auch Wachstumsaktien haben einiges zu bieten. Nicht umsonst haben viele Top-Aktien, insbesondere aus der Tech-Branche, wie Facebook, Alphabet (Google), Amazon oder Netflix noch nicht einen Cent an Dividenden ausgezahlt. Trotzdem konnten Anleger mit ihnen richtig viel Schotter machen. Warum das?

  • Wenn Unternehmen keine oder nur sehr geringe Dividenden auszahlen, heißt das, dass der Gewinn (sofern vorhanden) im Unternehmen verbleibt. Und das ist für wachstumsstarke Unternehmen auch richtig so! Denn mit Geld lässt sich Wachstum beschleunigen. Und je beeindruckender das Wachstum, umso wertvoller wird auch das Unternehmen. Was das Dir als Aktionär bringt? Nun, in aller Regel einen stärker ansteigenden Aktienkurs. Ob Deine Rendite jetzt primär aus Dividenden oder aus Kurswachstum resultiert, ist doch letztlich völlig egal.
  • Ein Wachstumsunternehmen nimmt Dir – einen fähigen Vorstand vorausgesetzt – Arbeit ab. Während Du bei Dividendentiteln die Dir ausgeschütteten Gewinne selbst wiederanlegen musst, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren, kannst Du bei einer Wachstumsaktie die Hände in den Schoß legen. Und sparst Dir Sparplan- oder Ordergebühren. Eine kostenlose automatische Wiederanlage also! Durch kluge Investitionen des Vorstands werden Deine Aktien so ganz von alleine wertvoller und Deine Rendite potenziert sich mit den Jahren auf magische Weise.
  • Diese “automatische Wiederanlage” hat einen weiteren Vorteil: Nämlich beim Thema Steuern. Während Du Dividendenzahlung, die über Deinem Freibetrag liegen, mit rund 25 Prozent versteuern musst, entfällt dieses Problem bei einer Wachstumsaktie. Das Unternehmen muss seine Investitionen nämlich nicht versteuern. Das heißt, dass Dein angelegtes Geld effektiver und schneller arbeiten kann – weil der Staat sich nichts abzwackt! Jedenfalls an der Stelle nicht…
    • Achtung: Das heißt natürlich nicht, dass Du hier gar keine Kapitalertragsteuer zahlen musst. Aber erst viel später. Während von den Dividenden jedes Jahr bei der Ausschüttung ein Viertel verloren geht, musst Du bei einer (reinen) Wachstumsaktie erst dann Steuern zahlen, wenn Du sie verkaufst – idealerweise also erst in vielen Jahren. Bis dahin wird der volle Gewinn (und eben nicht nur 75 Prozent) Jahr für Jahr aufs Neue investiert, sodass der Zinseszins viel besser arbeiten kann!
  • Wie sieht’s eigentlich mit der Rendite der beiden Aktiengattungen aus? Naja, einen klaren Sieger gibt es nicht. Je nachdem, welche Studie man sich anschaut, liegen mal Wachstums- und mal Dividendentitel vorn. Klar ist aber, dass die wirklich spektakulären Renditestorys von den Wachstumsaktien geschrieben werden. Irgendwie logisch, wir haben ja oben schon gesehen, dass es oft die großen Unternehmen mit beschränkten Wachstumsmöglichkeiten sind, die bedeutende Dividenden ausschütten. Je kleiner dagegen das Unternehmen ist, desto leichter kann es seinen Wert auch mal verdoppeln oder verdreifachen. Dafür gehst Du mit ihnen dann aber auch ein höheres Risiko ein.

Gut, dann gucken wir uns abschließend nochmal beide Gattungen im Überblick an und überlegen, was besser zu Dir passt!

3. Im Überblick – was ist Dir wichtig?

WachstumsaktienDividendenaktien
Psychologischer Vorteil
Passives Einkommen
Steuervorteil
Automatische Wiederanlage
Sehr hohes Renditepotential

Ob Du als Aktienanleger mehr auf Wachstum oder auf Dividenden setzt, hängt von Deinen Wünschen und Bedürfnissen ab.

Willst Du Schritt für Schritt ein Vermögen aufbauen und Dich von Anfang an über sichtbare Ergebnisse freuen? Einfach ein zusätzliches Einkommen haben? Bis zum Alter einen Zahlungsstrom aufbauen, von dem Du als Rentner leben kannst?

Dann sind Dividendentitel vielleicht eher was für Dich.

Wenn Du das Thema Aktien ein bisschen forscher angehen möchtest und eine gewisse Risikobereitschaft mitbringst, gefallen Dir vielleicht Wachstumsaktien besser. Im Einzelfall kannst Du hier mit dem richtigen Riecher eine deutlich höhere Rendite erzielen.

Kannst.

Höhere Chancen bedeuten (fast) immer auch ein höheres Risiko. Ein kleines, stark wachsendes Unternehmen ist in der Regel deutlich anfälliger für Krisen und hausgemachte Probleme als ein Dividendendickschiff. Wer in Wachstumsunternehmen investiert muss sich dessen bewusst sein. Und mit größeren Kursausschlägen nicht nur nach oben sondern eben auch nach unten leben können.

Außerdem sind bei solchen Unternehmen gewisse Wachstumsschmerzen nichts Ungewöhnliches. Eine falsche Strategie des Managements kann das Unternehmen auch mal vorübergehend für ein paar Jahre zurückwerfen, bevor es – hoffentlich – wieder mit Volldampf nach vorne geht.

Ganz allgemein solltest Du bei Aktien-Investments einen langen Anlagehorizont von mehreren Jahren, am besten 10 oder 15 Jahre mitbringen. Für Wachstumsaktien gilt das nochmal besonders stark. Sie sind einfach weniger stabil und berechenbar.

Falls Du beide Herangehensweisen reizvoll findest, musst Du Dich natürlich nicht entscheiden, sondern kannst auch beide Strategien parallel verfolgen. Damit das ganze nicht unübersichtlich wird und Du den Erfolg der beiden Strategien besser vergleichen kannst, empfiehlt Dir der Alligator, am besten zwei getrennte Depots für Dividenden- und Wachstumsaktien zu benutzen.

Dir fallen noch weitere wichtige Vor- und Nachteile der beiden Aktienarten ein, die in den Beitrag rein sollten? Der Alligator freut sich über Deinen Kommentar! 🐊

Der schnelle Happen 🐊

  1. Unternehmen, die nur noch begrenzte Wachstumsmöglichkeiten haben, schütten häufig ihren Gewinn als Dividende aus.
  2. Ein echter Dividendentitel sollte mindestens auf eine Dividendenrendite von 2 Prozent im Jahr kommen. Darunter hat die Dividende mehr eine “Alibifunktion”.
  3. Dividendentitel eignen sich besonders gut um sich ein passives Einkommen aufzubauen, also einen konstanten Zahlungsstrom, der ohne weiteres Zutun auf Dein Konto plätschert.
  4. Wachstumsaktien sind dagegen Anteile an Unternehmen, die ihren Schwerpunkt auf schnelles Wachstum legen. Um dafür genug Geld zu haben, lassen sie den Gewinn im Unternehmen und investieren ihn in neue Geschäftszweige.
  5. Wachstumsaktien sorgen so für eine Art automatische Wiederanlage und bringen steuerliche Vorteile mit sich.

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